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Natürlich gingen wir in die Kirche, haben die Prozeduren mitgemacht und die Heilige Messe, die mit dem Hinweis vom Bischof von Santiago auf den deutschen Papst begann, von der Stärke des Glaubens, die von Rom und Santiago ausging. Gegrüßt wurden wieder die Pilger aus aller Welt, die Gruppe mit der weitesten Anreise kam diesmal aus Argentinien. Und der Botafumeiro segelte auch über uns, weil es eine Gruppe gab, die die 240 Euro bezahlte, die das Spektakel kostet. Nur an Sonn- und Feiertagen wird der Weihrauchkessel von der Kirche aus in Gang gesetzt, an allen anderen Tagen läßt sich die Kirche das bezahlen. Wir haben dann die Stadt erkundigt und waren lange auf Essenssuche, bis wir in einer Pintoria am Rande der Stadt zum ersten Mal auf der Tour die einheimischen Linsen auf der Karte fanden. Für nur 3 Euro pro Teller. In den Auslagen der Kioske hatte ich ohnehin festgestellt, dass die Preise jetzt in 2006 weitaus günstiger waren als im Heiligen Jahr 2004. So kann man sich täuschen. Auf dem Weg zum Abschiedsessen in einem stilvollen alten Restaurant mit dicken Mauern und herrlichem Essen in einer wunderbaren Atmosphäre - und mit Reden und mit vielem Dank an alle für die vollbrachte Leistung und an die Führungs- und Übersetzercrew - sind wir auch an dem Hotel vorbeigekommen, in dem ich vor zwei Jahren gewohnt hatte. Zu den Erinnerungen gesellten sich dann auch die Vergleiche. Aber ich denke, die muss ich gar nicht so sehr bemühen, die folgenden Aussagen der Freude von der Tour sagen dazu alles, was gesagt werden muss. Ich teile diese Ansichten auch, alle, was nicht verwundert, denn die sportliche Herausforderung in der Gruppe war eine ganz andere als bei meinem Soloritt. Dabei war ich ja immer ausschließlich meinen eigenen Gedanken überlassen, in der Gruppe ist man nicht allein, es sei denn, man sondert sich ab, was keiner offen-sichtlich getan hat, wie wohl die unterschiedlichen Qualitäten und Zustände der Kondition von alleine dazu führten, dass man auch oft alleine fahren und seinen Gedanken nachhängen konnte. Spirituell war diese Reise nicht zu vergleichen mit meiner Alleinfahrt. Dieses Jahr am Anfang war es eine Fahrt durch ein sonnenverwöhntes Land, das andere besuchen, um Urlaub zu machen. Später, als die Berge höher und das Wetter rauher wurde und Wind und Regen erschwerend hinzu kamen, wurde es eher zu einer Strapaze, die man aus eigener Kraft und Gottes zusätzlicher Hilfe meistern konnte und gemeistert hat. Und dabei spielte es dann überhaupt keine Rolle, ob und daß an den Schluß-tagen ab und zu mal eine Teilstrecke per Bus oder Taxi zurückgelegt wurde. Wobei die durch die Wetterverhältnisse sich steigernden Erschwernisse die ganze Tour dann eher wieder näher an den Ausdruck einer Pilgerreise rückten. Oder uns zumindest an diese Absicht erinnert haben. Zum Schluss hatten alle etwas geleistet und jedem blieb es selbst überlassen, dies richtig einzuordnen. Ich bin mir sicher, dass wir die Tour beim Nachtreffen doch noch etwas anders einordnen als am Tag danach, als ich die Interviews gemacht habe. Für mich stand am Ende in Santiago die Erkenntnis, dass ich nochmals wieder kommen will und werde, in kleiner Gruppe, mit wenigen Freunden, oder alleine. Den Glauben, etwas Gutes zu vollbringen für Körper und Geist, den möchte ich doch noch einmal geniessen. Und dann sage ich auch nicht mehr, dass ich vereinslos bin, sondern guten Glaubens, damit ich wieder eine Compostella bekomme. Denn es wäre ja wirklich ein Wunder, wenn ich auf einmal ohne Sünden wäre.....
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