Es
war einer jener spontanen Entschlüsse, hervorgerufen durch ein Ereignis,
das ich in Madrid im spanischen Fernsehen gesehen hatte, als die kirchlichen
Würdenträger in Santiago de Compostela am letzten Tag des alten
Jahres die Steinmauer an der Pforte zum Heiligen Jakobus durchbrachen und
die Glocken der Kathedrale von Santiago wie überall auf der Welt das
Neue Jahr einläuteten, das für die Amigos de Santiago zugleich
ein neues Heiliges Jahr bedeutete.
Auf dem Rückflug von Madrid nach Stuttgart, der mit der Lufthansa gebucht
war, aber nicht mit dieser stattfand, weil ein Maschinenschaden zur Streichung
des Fluges führte, waren wir einen Tag später und mit Iberia unterwegs.
Und da gab es in der Januar-Ausgabe des Iberia-Magazins die erste Geschichte
zum Heiligen Jahr des Camino de Santiago, in der über die Historie
und die kulturellen und sonstigen Ereignisse und Veranstaltungen geschrieben
wurde, auch, dass rund vier Millionen Pilger und Touristen im Heiligen Jahr
2004 erwartet würden. Ich zeigte Marina das Magazin und die Doppelseite
und sagte: "Da will ich hin."
Und so geschah es. Ich hatte mir auch vorgenommen, alleine oder mit wem
auch immer an meinem 65. Geburtstag in der Kathedrale zu Santiago de Compostela
für mich und für Königin Mutter und für uns und für
alle meine Freunde jeweils eine Kerze anzuzünden. Ich hab die Vorgeschichte
deshalb erzählt, weil die kleinen "Zufälle" halt keine
Zufälle sind, sondern kleine Zeichen am Rande des Weges, die den Unterschied
ausmachen. Und niemand, der ähnliches kennt, wird mir widersprechen.
Wir achten nur zu selten auf diese kleinen Dinge, oder wir haben nicht oder
noch nicht das Gespür für sie entwickelt.
So kam es, dass ich mich entschoss, diesen Weg zu machen mit dem Rad; ich
begann aber erst spät mit den Vorbereitungen, so Anfang September,
als feststand, dass niemand mich wird begleiten können und Herbert,
der mir als erster diesen Weg schmackhaft machte und mir von seiner damaligen
Tour vorgeschwärmt hatte, keine Anstalten machte, mir sein Material
zu geben. So ging ich selbst auf die Suche im Internet und fand viel Spanisches,
aber auch wertvolle englische und deutsche links, die am Ende dieser Geschichte
aufgelistet sind. Als der Pilgerpass von der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft
in Würzburg mit der Nummer 2968/04 nach sehr kurzer Zeit eintraf und
ich ihn plus Spende bezahlt hatte, fühlte ich mich auf einmal als einer,
der aufbrach, eine neue Welt kennenzulernen.
Was wir dann aber weder von Deutschland noch von Spanien aus gefunden hatten
bei Refe, der spanischen Bundesbahn, war eine direkte Verbindung von Bilbao
nach Pamplona oder eine in die Nähe von Pamplone führende Verbindung,
bei der ich auch mein Fahrrad hätte mitnehmen können. Durch das
Studium der Reiseberichte hatte ich herausgefunden, dass es nicht angebracht
war, von Deutschland aus per Bahn oder Bus zum Ausgangspunkt des Französischen
Pilgerweges in St. Jean-Pied de-Port/ Roncesvalles zu reisen, sondern zu
fliegen. Ich beschloss, zunächst den Billigflug von Stuttgart nach
Bilbao zu nehmen, von dort aus würde ich schon irgendwie mit dem Zug
nach Pamplona kommen. So steht auch Pamplona als Startort im Pilger-Pass.
Doch als wir wirklich keine Zugverbindung nach Pamplona fanden, disponierte
ich kurzfristig um und begann eine Woche vor dem Flug anstelle des Französischen
Weges den Camino del Norte zu planen, der sich dann dank Eric Walker's Aufschrieb
vom Februar 2001 als "Ruta de la Costa" herausstellte, wobei das
auch nicht so ganz stimmte. Aber davon später. Während also alle
Pläne für den Französischen Weg der Umdisposition zum Opfer
fielen, machte ich mich mit weitaus weniger Plänen und Beschreibungen
auf den Nördlichen Weg.